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#hevelingfacts

Man könnte Ansgar Heveling vorwerfen, dass er den Rat Helmut Schmidts nicht befolgt hat, und mit seinen Visionen anstatt zum Arzt zum Handelsblatt gegangen ist. Denn Heveling muss sich in einem schlimmen Delirium befinden, wenn er vom Endkampf um Mittelerde im dritten Teil von »Herr der digitalen Ringe« halluziniert, wobei das noch nicht einmal seine wahnhafteste Vorstellung ist. Noch realitätsferner ist eindeutig die (Fehl-)Einschätzung, dass das die Gelegenheit, schon jetzt einen vorgezogenen Nachruf auf die Helden von Bits und Bytes, die Kämpfer für 0 und 1 zu formulieren sei. Man möchte gar nicht wissen, wie es in seinem Kopf aussieht, in dem digitale Horden herumspuken, die uns ein Schlachtfeld hinterlassen, auf dem sich nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen müssen. Schlicht beängstigend. Niedliche kleine Pacmans, die an den Ideen und Idealen unserer bürgerlichen Gesellschaft knabbern, können diese düstere Apokalypse auch nicht aufhellen. 

Doch Vorwürfe helfen hier nicht weiter. Denn Heveling ist ernsthaft krank, er leidet offenkundig an Schizophrenie. So baut sein »Argument« darauf auf, gleichzeitig Gegner und Befürworter von Revolutionen zu sein. Gegner, weil er Revolutionen dafür kritisiert, auf Mehrheitsverhältnisse […] nie wirklich Rücksicht genommen zu haben. Befürworter, weil er die bürgerliche Gesellschaft, die er hier zu verteidigen glaubt, als das große Verdienst der französischen Revolution sieht und zur Rettung vor der digitalen Bedrohung den Citoyen, dem Werte wie Freiheit, Demokratie und Eigentum auch im Netz am Herzen liegen, einfordert. Dabei dürfte es ihm als CDUler wohl weniger um Freiheit und Demokratie, als vielmehr um Eigentum gehen, das seine Partei stets furcht- und skrupellos gegen diejenigen verteidigt (hat), die auch gerne etwas davon hätten, es sich aber aufgrund der bestehenden Verhältnisse, für die großteils CDU-Regierungen verantwortlich sind, nicht leisten können. Aus dieser Perspektive sind natürlicherweise diejenigen, die die Verhältnisse durch Andersverteilung des Eigentums wirklich freier und demokratischer gestalten wollen, Piraten und damit der schlechteste Ratgeber. Und da zeigt sie sich wieder, Hevelings Schizophrenie. Denn wie kann ein Kapitalist ernsthaft Piraten bekämpfen wollen, wo beide doch ein und denselben Wertekanon teilen: Sie achten das Eigentum des anderen nicht, setzen ihr Wissen nur für den eigenen Vorteil ein, sind darauf bedacht, zusammenzuraffen, was sie von anderen kriegen können. Zugegeben, Heveling zeichnet hier ein überzogen negatives Bild von Piraten.

Insofern gebührt dem Handelsblatt ein großer Dank für seine Verdienste um soziale Integration. Denn auch Schizos haben ein Recht auf einen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft. Weiter so, Handelsblatt! Es ist an der Zeit, dass sich in Deutschland ein zweites Satiremagazin am Markt etabliert, weil Satire niemals endgültig ist.

 

Quellen:

erstellt am: 31.01.2012

von: senest

Kategorie(n): Digital, Politik

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