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#hevelingfacts – Nachklapp

Dass da noch was kommen würde, war klar. Denn im Gegensatz zu den Bloggern, die bald keine Relevanz mehr haben, hatte Ansgar Heveling noch nie welche. Also Relevanz. Was sich hier abspielt, ist das peinliche Heischen nach medialer Aufmerksamkeit eines den Wahlkreis Krefeld I – Neuss II vertretenden Provinz-MdBs aus Korschenbroich und der Beweis, dass es der Presse nicht gut geht, wenn sie sich um der Auflage willen so bereitwillig hergibt, Hevelings Ergüsse zu drucken. Die Schmerzfreiheit, mit der sich Heveling nicht entblödet, den Rächer der Enturheberrechteten zu geben, qualifiziert ihn, wenn schon nicht als Politiker und noch weniger als Mitglied der Enquêtekommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestags, so doch als Boxer mit guten Nehmerqualitäten. Schön, irgendwie hat die ganze Posse auch einen nicht zu leugnenden Unterhaltungswert, der über die zukünftigen Bloggerfossile hinausgeht. Wenn Heveling zu Protokoll gibt, er glaube natürlich nicht, dass das Internet bald abgeschaltet wird, erinnert das schon sehr an die Werbung, in der jemandes Mutter glaubt, das Internet gelöscht zu haben. Wer darüber nicht lachen mag, bekommt immerhin einen Hinweis darauf, wie hoch bzw. niedrig Hevelings Technik- und Medienkompetenz einzuschätzen ist. 

Dabei ist Heveling nicht internet- oder fortschrittsfeindlich. Er hat lediglich keine Ahnung, wovon er spricht. Er verfehlt um Längen den Kern der Sache, wenn er hinsichtlich seiner gehackten Website feststellt: Diese Webseite gehört mir. Dass sie so einfach gehackt wird, wirft die Frage auf, wie die Gesellschaft im Internet mit Recht umgeht. Denn diese Frage ist allenfalls sekundär. Um es Heveling, der so seine Schwierigkeiten mit der digitalen Welt hat, einmal zu erklären, sei dieses Beispiel gestattet: Wenn ein Banktresor so einfach geknackt wird, wirft das die Frage nach den Sicherheitsvorkehrungen auf. Wir wären also wieder beim Thema der nicht vorhandenen Technik- und Medienkompetenz Hevelings.

Was allerdings Hevelings rhetorische Kompetenzen betrifft, so sind diese alles andere als unterhaltsam. Wer sich kritisch äußert, erlebt Aggression statt Argumentation, beschwert er sich. Mit dieser Strategie der Polarisierung, die die Realität bewusst falsch wiedergibt – hier der Gute, da die Bösen –, hat Heveling schon seinen Artikel im Handelsblatt verfasst. Heveling argumentiert nicht, denn zur Argumentation bedarf es der Sachkenntnis, über die er offensichtlich nicht verfügt. Stattdessen zieht er es vor, sein Gegenüber, die Netzgemeinde, übel zu diffamieren und liefert ein Paradestück gewaltsamer Kommunikation nach dem anderen. Diese Entgleisungen »Argumentation« zu nennen, sich in der Folge zum Opfer der »Aggression« der Netzgemeinde zu stilisieren und sich dadurch in seinen Thesen bestätigt zu sehen, ist eine perfide Taktik des Populismus, die leicht im Extremismus mündet.

Wäre dem nicht so, man könnte den ganzen Zauber auch als Büttenrede lesen. Schließlich kommt Heveling aus dem Niederrheinischen, wo die Karnevalssession gerade auf Hochtouren läuft. Am Aschermittwoch ist dann alles vorbei. Hoffentlich.

 

Die kursiv gesetzten Textstellen stammen aus:

erstellt am: 01.02.2012

von: senest

Kategorie(n): Digital, Politik

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