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#hevelingfacts – Nachklapp

Dass da noch was kommen würde, war klar. Denn im Gegensatz zu den Bloggern, die bald keine Relevanz mehr haben, hatte Ansgar Heveling noch nie welche. Also Relevanz. Was sich hier abspielt, ist das peinliche Heischen nach medialer Aufmerksamkeit eines den Wahlkreis Krefeld I – Neuss II vertretenden Provinz-MdBs aus Korschenbroich und der Beweis, dass es der Presse nicht gut geht, wenn sie sich um der Auflage willen so bereitwillig hergibt, Hevelings Ergüsse zu drucken. Die Schmerzfreiheit, mit der sich Heveling nicht entblödet, den Rächer der Enturheberrechteten zu geben, qualifiziert ihn, wenn schon nicht als Politiker und noch weniger als Mitglied der Enquêtekommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestags, so doch als Boxer mit guten Nehmerqualitäten. Schön, irgendwie hat die ganze Posse auch einen nicht zu leugnenden Unterhaltungswert, der über die zukünftigen Bloggerfossile hinausgeht. Wenn Heveling zu Protokoll gibt, er glaube natürlich nicht, dass das Internet bald abgeschaltet wird, erinnert das schon sehr an die Werbung, in der jemandes Mutter glaubt, das Internet gelöscht zu haben. Wer darüber nicht lachen mag, bekommt immerhin einen Hinweis darauf, wie hoch bzw. niedrig Hevelings Technik- und Medienkompetenz einzuschätzen ist.  […]

erstellt am: 01.02.2012

von: senest

Kategorie(n): Digital, Politik

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#hevelingfacts

Man könnte Ansgar Heveling vorwerfen, dass er den Rat Helmut Schmidts nicht befolgt hat, und mit seinen Visionen anstatt zum Arzt zum Handelsblatt gegangen ist. Denn Heveling muss sich in einem schlimmen Delirium befinden, wenn er vom Endkampf um Mittelerde im dritten Teil von »Herr der digitalen Ringe« halluziniert, wobei das noch nicht einmal seine wahnhafteste Vorstellung ist. Noch realitätsferner ist eindeutig die (Fehl-)Einschätzung, dass das die Gelegenheit, schon jetzt einen vorgezogenen Nachruf auf die Helden von Bits und Bytes, die Kämpfer für 0 und 1 zu formulieren sei. Man möchte gar nicht wissen, wie es in seinem Kopf aussieht, in dem digitale Horden herumspuken, die uns ein Schlachtfeld hinterlassen, auf dem sich nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen müssen. Schlicht beängstigend. Niedliche kleine Pacmans, die an den Ideen und Idealen unserer bürgerlichen Gesellschaft knabbern, können diese düstere Apokalypse auch nicht aufhellen.  […]

erstellt am: 31.01.2012

von: senest

Kategorie(n): Digital, Politik

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Matias Faldbakken: SUCHE

Im Vorfeld der diesjährigen dOCUMENTA (13) erscheint im Hatje Cantz Verlag eine Serie von Notizbüchern mit dem Titel 100 Notizen – 100 Gedanken. Eines davon stammt von Autor und Künstler Matias Faldbakken, der für SUCHE die Protokolle seiner verschiedenen Festplatten verwendete und einen Teil der Verläufe seiner Google-Recherchen extrahierte. Verlagsseitig wird das zur konkreten Poesie einer écriture automatique geadelt, die es den Leser_innen ermögliche, einen Teil von Faldbakkens Arbeitsprozess mitzuerleben. Faldbakken selbst findet für diese Arbeitweise weniger euphemistische Worte: »Meine Texte sind mit einer Tonne vergleichbar, in der ich den ganzen Müll an Ideen ablegen kann.« (Faldbakken 2009: 130) Das heißt vielleicht, dass Faldbakkens bisher erschienene Romane aus der Mülltonne kommen, aber keinesfalls, dass sie auch für selbige geschrieben sind. Auch wenn deren gesellschaftskritische Intentionen streckenweise hinter sehr unterhaltsamen Effekten zurücktreten, sind The Cocka Hola Company, Macht und Rebel und Unfun mehr als nur »Sammlungen von kleinen Ideen, die ich dann zusammenknüpfe, um es am Ende wie eine richtige Novelle aussehen zu lassen.« (Matias Faldbakken im Interview mit arte KULTUR[…]

erstellt am: 27.01.2012

von: senest

Kategorie(n): Literatur

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»Marines Urinate on Taliban«

Vom Versagen einer Simulation

»Wir können nicht menschlich sein, ohne in uns die Fähigkeit zum Schmerz, auch die zur Gemeinheit wahrgenommen zu haben. Aber wir sind nicht nur die möglichen Opfer der Henker: die Henker sind unseresgleichen. […] Gibt es nichts in unserem Wesen, das so viel Entsetzliches unmöglich macht? […] Tatsächlich, es gibt nichts. […] Wir sind also nicht nur zum Schmerz, sondern auch zur Raserei des Folterns fähig.« (Bataille 2008: 17, Herv. i.O.)

Mit dieser Erkenntnis lässt sich kein Krieg führen. Denn am Krieg ist nichts Menschliches, Krieg ist immer unmenschlich. Die Unmenschlichkeit des Krieges beginnt damit, die Menschen unmenschlich zu machen, sie also zu SoldatInnen auszubilden. Als solche/-r darf sie/er nicht die Fähigkeit zur Raserei und zum Foltern in sich sehen. Diese muss ausschließlich auf die/den Andere/-n, den/die »FeindIn« projiziert werden, die/der so entmenschlicht und zum Objekt wird. Diese Objektivierung der/des Anderen ermöglicht es schließlich, nicht mehr von Kriegen, sondern von »Operationen« zu sprechen. Dabei ist diese für das Führen von Kriegen zwingend notwendige Mensch/Objekt- bzw. Gut/Böse-Dichotomie ein höchst fragiles Konstrukt, zu dessen Beschädigung manchmal nur eine einzige mediale Repräsentation, die nicht diesem Muster folgt, ausreicht. Ob diese Repräsentation »echt« ist, ist eher sekundär.  […]

erstellt am: 16.01.2012

von: senest

Kategorie(n): Politik

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Runder Tritt und großes Blatt

Die radikale Unbrauchbarkeit des Autos in der Stadt ist, mit Gilles Deleuze und Félix Guattari (1977: 513 f.) betrachtet, nur ein Ausdruck der vielen Probleme von Gesellschaften, die durch Spezialisierung und Monopolisierung geprägt sind. Dabei sind Spezialisierung und Monopolisierung durchaus nicht immer eine technische Notwendigkeit. Oft sind sie »lediglich« Ausdruck derjenigen ökonomischen und politischen Imperative, die auf die Konzentration der Macht in den Händen der herrschenden Klasse abzielen. Es lassen sich durchaus andere Gesellschaften denken, in denen das Recht zur Benutzung der Produktionsmittel nicht das exklusive Recht der herrschenden Klasse ist, sondern das eines jeden Individuums. Hier wird durch die größtmögliche Anzahl von Menschen extensiver Gebrauch von kleinen Maschinen gemacht, für die nur wenig Spezialwissen vonnöten ist. Ein naheliegendes Fortbewegungsparadigma einer anderen Gesellschaft, das nicht den nostalgischen Traum einer Rückkehr zur Natur träumt, sondern wirklich fortschrittlich ist, wäre in diesem Sinne das Fahrrad (vgl. ebd.).  […]

erstellt am: 14.01.2012

von: senest

Kategorie(n): Fahrrad

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