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Donnerstag, 01.03.2012, 11:39:25

ad ACTA

ACTA ist nicht nur durch sein Zustandekommen der legislative Ausdruck eines zutiefst undemokratischen Monopolkapitalismus, der auf die Konzentration der Macht in den Händen der Wenigen in der herrschenden Klasse abzielt. Dieses Gesetz verteidigt auch wesenhaft Spezialisierung und Monopolisierung und forciert damit soziale Ungerechtigkeit. Weil für die extensive Nutzung »kleiner Maschinen« – nämlich Computer und Internet – nur wenig Spezialwissen erforderlich ist, ist deren Gebrauch durch jede/-n prinzipiell möglich. Diese radikale Umverteilung der Produktionsmittel aber erschüttert die bestehende Ordnung in ihren Grundfesten so sehr, dass ihr zum Zwecke des Machterhalts eine Beschneidung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung nur recht und billig erscheint.

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Dienstag, 28.02.2012, 11:35:41

TOUCH

Kurzrezension

Das narrative Hauptmotiv in Touch, zugleich Grundidee der Serie, ist nicht unbekannt. Den Filmen Alejandro González Iñárritus ähnlich, liegt es im Sich-Kreuzen von Handlungssträngen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, wodurch sich zwei oder mehrere Geschichten zu einer komplexeren Geschichte mit einem Mehr an erzählerischer Tiefe verbinden. Doch während Iñárritu dieses Motiv als Magie des unergründlichen Schicksals inszeniert, wird es in Touch durch pseudo- und populärwissenschaftliche Erklärungen des Paranormalen systematisiert und entzaubert. Wo die Magie durch die Entzauberung verdrängt wird, sind Schematisierung und Instrumentalisierung nicht fern. Ob dies das weitere Strickmuster der Serie wird, lässt der Pilot offen. Man darf also gespannt sein.

Touch (2012) (USA, Buch: Tim Kring, Regie: Milan Cheylov/Francis Lawrence, Mit: Kiefer Sutherland/David Mazouz/Gugu Mbatha-Raw/Danny Glover).

Ab dem 26. März 2012 auf ProSieben und ORF eins.

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Mittwoch, 01.02.2012, 11:31:22

#hevelingfacts – Nachklapp

Dass da noch was kommen würde, war klar. Denn im Gegensatz zu den Bloggern, die bald keine Relevanz mehr haben, hatte Ansgar Heveling noch nie welche. Also Relevanz. Was sich hier abspielt, ist das peinliche Heischen nach medialer Aufmerksamkeit eines den Wahlkreis Krefeld I – Neuss II vertretenden Provinz-MdBs aus Korschenbroich und der Beweis, dass es der Presse nicht gut geht, wenn sie sich um der Auflage willen so bereitwillig hergibt, Hevelings Ergüsse zu drucken. Die Schmerzfreiheit, mit der sich Heveling nicht entblödet, den Rächer der Enturheberrechteten zu geben, qualifiziert ihn, wenn schon nicht als Politiker und noch weniger als Mitglied der Enquêtekommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestags, so doch als Boxer mit guten Nehmerqualitäten. Schön, irgendwie hat die ganze Posse auch einen nicht zu leugnenden Unterhaltungswert, der über die zukünftigen Bloggerfossile hinausgeht. Wenn Heveling zu Protokoll gibt, er glaube natürlich nicht, dass das Internet bald abgeschaltet wird, erinnert das schon sehr an die Werbung, in der jemandes Mutter glaubt, das Internet gelöscht zu haben. Wer darüber nicht lachen mag, bekommt immerhin einen Hinweis darauf, wie hoch bzw. niedrig Hevelings Technik- und Medienkompetenz einzuschätzen ist. (mehr …)

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Dienstag, 31.01.2012, 11:27:32

#hevelingfacts

Man könnte Ansgar Heveling vorwerfen, dass er den Rat Helmut Schmidts nicht befolgt hat, und mit seinen Visionen anstatt zum Arzt zum Handelsblatt gegangen ist. Denn Heveling muss sich in einem schlimmen Delirium befinden, wenn er vom Endkampf um Mittelerde im dritten Teil von »Herr der digitalen Ringe« halluziniert, wobei das noch nicht einmal seine wahnhafteste Vorstellung ist. Noch realitätsferner ist eindeutig die (Fehl-)Einschätzung, dass das die Gelegenheit, schon jetzt einen vorgezogenen Nachruf auf die Helden von Bits und Bytes, die Kämpfer für 0 und 1 zu formulieren, sei. Man möchte gar nicht wissen, wie es in seinem Kopf aussieht, in dem digitale Horden herumspuken, die uns ein Schlachtfeld hinterlassen, auf dem sich nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen müssen. Schlicht beängstigend. Niedliche kleine Pacmans, die an den Ideen und Idealen unserer bürgerlichen Gesellschaft knabbern, können diese düstere Apokalypse auch nicht aufhellen. (mehr …)

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Freitag, 27.01.2012, 11:20:44

Matthias Faldbakken: SUCHE

Kurzrezension

Im Vorfeld der diesjährigen dOCUMENTA (13) erscheint im Hatje Cantz Verlag eine Serie von Notizbüchern mit dem Titel 100 Notizen – 100 Gedanken. Eines davon stammt von Autor und Künstler Matias Faldbakken, der für SUCHE die Protokolle seiner verschiedenen Festplatten verwendete und einen Teil der Verläufe seiner Google-Recherchen extrahierte. Verlagsseitig wird das zur konkreten Poesie einer écriture automatique geadelt, die es den Leser_innen ermögliche, einen Teil von Faldbakkens Arbeitsprozess mitzuerleben. Faldbakken selbst findet für diese Arbeitweise weniger euphemistische Worte: »Meine Texte sind mit einer Tonne vergleichbar, in der ich den ganzen Müll an Ideen ablegen kann.« (Faldbakken 2009: 130) Das heißt vielleicht, dass Faldbakkens bisher erschienene Romane aus der Mülltonne kommen, aber keinesfalls, dass sie auch für selbige geschrieben sind. Auch wenn deren gesellschaftskritische Intentionen streckenweise hinter sehr unterhaltsamen Effekten zurücktreten, sind The Cocka Hola Company, Macht und Rebel und Unfun mehr als nur »Sammlungen von kleinen Ideen, die ich dann zusammenknüpfe, um es am Ende wie eine richtige Novelle aussehen zu lassen.« (Matias Faldbakken im Interview mit arte KULTUR) (mehr …)

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