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Samstag, 14.01.2012, 18:22:34

Runder Tritt und großes Blatt

Die radikale Unbrauchbarkeit des Autos in der Stadt ist, mit Gilles Deleuze und Félix Guattari (1977: 513 f.) betrachtet, nur ein Ausdruck der vielen Probleme von Gesellschaften, die durch Spezialisierung und Monopolisierung geprägt sind. Dabei sind Spezialisierung und Monopolisierung durchaus nicht immer eine technische Notwendigkeit. Oft sind sie »lediglich« Ausdruck derjenigen ökonomischen und politischen Imperative, die auf die Konzentration der Macht in den Händen der herrschenden Klasse abzielen. Es lassen sich durchaus andere Gesellschaften denken, in denen das Recht zur Benutzung der Produktionsmittel nicht das exklusive Recht der herrschenden Klasse ist, sondern das eines jeden Individuums. Hier wird durch die größtmögliche Anzahl von Menschen extensiver Gebrauch von kleinen Maschinen gemacht, für die nur wenig Spezialwissen vonnöten ist. Ein naheliegendes Fortbewegungsparadigma einer anderen Gesellschaft, das nicht den nostalgischen Traum einer Rückkehr zur Natur träumt, sondern wirklich fortschrittlich ist, wäre in diesem Sinne das Fahrrad (vgl. ebd.). (mehr …)

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Montag, 07.11.2011, 11:41:14

Perlen der Fernsehunterhaltung

I think before my days are done, I want to be a fisherman

»Angeln entspannt kolossal, ob du was fängst, ist ganz egal«, wussten Truck Stop im Jahr 1979 zu singen. Ob John Lurie diese Zeilen kennt, ist unbekannt, aber nicht undenkbar, wenn man seine sechsteilige Pseudo-Reisedoku Fishing with John (1991) gesehen hat – auch wenn Luries Musik zur Serie in nichts mit dem Verkehrssicherheitscountry (»Die Frau mit dem Gurt«) der Hamburger Asphaltcowboys zu vergleichen ist. (mehr …)

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Donnerstag, 03.11.2011, 11:12:03

Sherry Trouble

Ann Liv Young sherapiert den Villacher Kulturhofkeller

Dem Damensalon ist es in Zusammenarbeit mit dem Kulturhofkeller im Rahmen der Reihe Kulturhofkeller:Dialoge/Provokation im Damensalon gelungen, die amerikanische Performancekünstlerin Ann Liv Young auf ihrer Durchreise vom Steirischen Herbst zum Festival Politik im Freien Theater in Dresden für einen Zwischenstopp in Villach zu gewinnen – und wo immer Young, gleich mit welcher Personage, auftritt, ist ihr ein vorauseilendes Raunen sicher. So tönt es zuverlässig und unisono »provokant, schonungslos, radikal, Scham, Abscheu, Ekel« durch die Medien. Youngs Performances sollen ein persönliches Erlebnis sein, das manche im Publikum bewusst an die Grenzen dessen, was sie ertragen können, bringt. Mit dieser Methode geht unter ethischen Aspekten selbstredend auch eine nicht zu unterschätzende Verantwortung, die die Performerin für ihr Publikum trägt, einher. Doch dazu später mehr. (mehr …)

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